Mabon · Herbst-Tagundnachtgleiche — Ausgleich, Ordnung & Loslassen

Um den 22./23. September sind Tag und Nacht erneut gleich lang. Mabon ist der Blick auf’s Ganze: Vieles ist geerntet, manches reift nach. Jetzt ordnen wir, danken – und lassen das Überflüssige gehen, damit der Keller Platz hat.

Namen: Mabon (neuzeitliche Bezeichnung), Herbst-Tagundnachtgleiche, regional Herbst- oder Weinlesefeste. Bilder: Waage, Korb, Apfel, Herbstlaub.

Herkunft & Bedeutung

Mabon beschließt die zweite Ernte: Früchte, Nüsse, späte Feldfrüchte. Die Gleichheit von Tag und Nacht erinnert an Maß: Nicht nur „mehr sammeln“, sondern „richtig einteilen“. In alten Hauswirtschaften war dies die Stunde der Listen, Vorratsgläser, Regale – und des Dankes an alle Hände, die geholfen haben.

Bräuche: Ausgleichen & Einlagern

Waage-Ritual: Zwei Schalen/Körbe: links „Genug von …“, rechts „Mehr von …“. Fülle konkret, nicht abstrakt. Apfelsegen: Den ersten Apfel vierteln, teilen, Kerne zählen – „Sterne“ im Kernhaus als Glücksbild. Vorratsordnung: Gläser beschriften, Regale wischen, Ernte in Ruhe einlagern. Dankekarte an Menschen, die mitgetragen haben (Helfer, Nachbarn, Hof).

Pflanzen & Symbole

Apfel – Herzfrucht & Wissen; Trauben – Fülle & Wandlung; Nüsse – Vorrat & Klugheit; Kürbis, Wurzelgemüse – Speisekeller; Hagebutte, Holunderbeere – Stärkung. Laub in Gelb/Rot als sichtbares Loslassen.

Speisen & Trank

Herbstteller aus Ofenkürbis, Rote Bete, Kartoffeln; Apfel- oder Zwetschgenkuchen; Nussbrot, Käse, Trauben; Suppen (Linsen, Karotte, Sellerie); dazu Apfelsaft, Most oder Traubenschorle. Würze: Thymian, Salbei, Rosmarin – warm, klärend.

Mythische Bilder

Mabon steht für den Gang ins Innere: Der Garten wird leerer, der Keller voller. Geschichten erzählen vom Abstieg in die Tiefe – nicht als Verlust, sondern als Vorbereitung. Das Bild der Waage trägt: Nehmen & Geben, Bewahren & Loslassen, draußen & drinnen.

Handwerk & Hauspraxis

Einwecken (Apfelmus, Kompott), Trocknen (Apfelringe, Kräuter), Fermentieren (Sauerkraut), Nuss-Ernte prüfen; Kerzen ziehen für die dunklere Zeit; Werkzeug pflegen (Garten, Küche); Textilien für Herbst/Winter sichten (Wolle lüften, flicken).

Regionale Varianten

Weinlesefeste (Pfalz, Rheingau, Franken), Most- & Apfelfeste (Süddeutschland, Alpenvorland), Erntedankaltäre (Kirchenüberlagerung Anfang/Oktober). Überall: Apfel, Traube, Nuss – die Trias des Herbstbeginns.

Moderne Übersetzung

Mabon heute heißt: ehrlich bilanzieren und freundlich ordnen. Eine Stunde Vorratscheck, eine Tasche fürs Weitergeben/Spenden, ein Anruf „Danke, dass du mit mir geerntet hast“. In Beziehungen: Grenzen klar benennen, Termine entzerren – Balance ist gelebte Fürsorge.

Ablauf eines Abends (Beispiel)

1. Tisch schlicht, in der Mitte Apfel, Nüsse, ein kleines Waage-Symbol (zwei Schalen/Steine). 2. Zwei Listen: „Genug ist …“ und „Mehr braucht …“. Je drei Punkte, laut ausgesprochen. 3. Apfel teilen, Kerne betrachten („Sterne im Kern“), Stücke reichen. 4. Herbstteller & Suppe essen, Wasser/Schorle reichen. 5. 20 Minuten Vorratsordnung (zu zweit macht’s Freude). 6. Abschluss: Ein Satz Loslassen („Ich beende … bis morgen.“). Kerze löschen.

Sicherheit & Respekt

Einwecken/Fermentation sauber & nach Anleitung; Allergien (Nüsse) beachten. Beim Sammeln: private Flächen respektieren, Schutzgebiete meiden, nur Bekanntes pflücken. Messer/Küchengeräte sicher; Glas heiß – Handschuhe nutzen. Balance auch im Ton: keine Selbstabwertung, nur klare Schritte.

Abschluss

Mabon ist das ruhige Nicken nach der Fülle: Wir halten Maß, ordnen freundlich, lassen gehen, was fertig ist. So entsteht Raum – für Stille, Geschichten und das tiefe Leuchten, das bis Samhain trägt.

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